DER GELIEHENE BLICK
Ein Seminar zu Aspekten der Abstraktion mittels Zeichnung und Fotografie am Institut für Kunstpädagogik, JLU Gießen 2011

Im Seminar werden, an Hand bestimmter Vorlagen, Formen der Übersetzung und Transformation durch die Zeichnung erarbeitet. Zu Beginn steht die Analyse von Zeichnungen aus der neueren Kunstgeschichte, sowie Presse-Fotografien. Abstraktion wird hier verstanden als Reduktion der narrativen Eigenschaften eines Bildes zu Gunsten seiner strukturellen, wie zum Beispiel dem Verhältnis vom Helldunkel, von Linie, Fläche und Proportion. Diese formalen Grundeigenschaften der visuellen Gestaltung betreffen unter Anderem auch die Richtung, die Grössenverhältnisse, das Format und andere Aspekte der Bildgestaltung. Sie rangieren in der Übung vor den narrativen Inhalten des Bildes, da sie eine bestimmte Form der Ordnung und Lesbarkeit herstellen. Gemeint ist Lesbarkeit im Sinne des Abtastens von Flächen und der Gleichzeitigkeit von Dingen im Raum, die im Verhältnis zueinander stehen.
Der Abbildungsprozess in der Zeichnung, aber auch in der Fotografie, ist ein Abstraktionsvorgang. Die verschiedenen Möglichkeiten und Materialien der Zeichnung bringen schon durch ihre Anwendung Formen des Abstraktion mit sich. Das Wissen um diese Vorgänge ist für die Praxis der Zeichnung elementar. Zeichnen ist auch eine Art zu Denken und zu Beobachten.
Das zweistufige Seminar beginnt mit der theoretischen und praktische Analyse ausgesuchter Zeichnungen nach ihren strukturellen und methodischen Qualitäten. Im Nachvollziehen der Zeichnungen anderer Künstler wird ein fremder Blick und eine Methode mimetisch erfahren, die im zweiten Teil des Seminars auf neue Situationen übertragen und angewandt werden kann.
Im Zusammenspiel von Fotografie und Zeichnung werden Möglichkeiten erarbeitet die Wirklichkeit zu übersetzten, durch Bildausschnitte zu vereinfachen und einer Verwandlung zu unterziehen.